Biologie der Haie

Allgemeines 

Der Urhai

Haie gibt es seit über ungefähr 400 Millionen Jahren. Es gab Haie also schon vor den Dinosauriern.

Einer der ersten Haie war der 2 Meter lange Cladoselache. Wenn du ihn dir genau ansiehst, erkennst du, dass er bereits eine ähnliche Form hatte wie die heutigen Haie

Er hatte zwei Rückenflossen, die je von einem Stachel geschützt wurden, große Brustflossen und kleine Bauchflossen.

 

Megalodon

Vor etwa 18 Millionen Jahren lebte der Megalodon. Er war der grösste Hai, den es je gab. Megalodon war 12 bis 15 Meter gross. Stell dir das mal vor, er wurde somit sogar grösser als ein Schulbus und war etwa gleich gross wie ein Tyrannosaurus Rex. Ein Megalodonzahn konnte bis zu 13 Zentimeter lang werden. Der Megalodon ist leider ausgestorben und man weiss nicht genau, warum.

 

Knorpel statt Knochen

Haie sind Knorpelfische. Ihr Skelett besteht nicht aus Knochen sondern aus biegsamem Gewebe, den Knorpeln. Auch wir haben einige Knorpel zum Beispiel in unserem Ohr. Wenn du deine Ohren anfasst, merkst du, dass sie leicht und beweglich sind.

 

Was Haie von Fischen unterscheidet:

Weisst du wieso Fische nicht untergehen, wenn sie nicht schwimmen? Die Antwort ist ganz einfach: Fische haben eine Blase, die sie mit Luft füllen können. Du hast bestimmt schon mal im Schwimmbad selbst erlebt, dass Luftblasen im Wasser nach oben gehen. Das geschieht, weil sie leichter sind als das Wasser. Wenn der Fisch nun seine Blase mit Luft füllt, wird er leichter und sinkt nicht. Haie haben gegenüber Fischen keine solche Schwimmblase, die sie im Wasser schweben lassen würde. Sie müssen immer schwimmen damit sie nicht auf den Grund sinken.

 

Lebensraum

In fast allen Meeren gibt es Haie. Viele Arten kommen im Salzwasser vor. Es gibt sogar ganz wenige Arten, die auch im Süsswasser leben. Ein Beispiel dafür ist der Bullenhai. Natürlich gibt es in unseren Flüssen oder Seen keine Haie. Man findet sie in so grossen Flüssen wie dem Amazonas.

 

Grosse Vielfalt der Haie

Es gibt 450 Haiarten, die bis heute bekannt sind. Es werden jedoch immer noch neue Arten entdeckt in den Tiefen des Meeres. Wer weiss, vielleicht wirst du mal ein Haiforscher und findest einen neuen Hai? Du darfst ihm dann einen Namen geben, der dir gefällt.

 

Haie sind gute Schwimmer

Haie müssen immer schwimmen, damit sie nicht auf den Meeresgrund sinken. Weisst du noch wieso? Genau, weil sie keine Schwimmblase haben.

Es gibt aber Arten die an der Wasseroberfläche Luft „schlucken“ um leichter zu werden. So können sie eine Weile im Wasser schweben, ohne zu schwimmen.

Haie sind richtig gute Schwimmer. Jede ihrer Flossen hat dabei eine andere Aufgabe.

Die Schwanzflosse ist der Antrieb, mit der Schwanzflosse kann der Hai also richtig Gas geben. Die Rückenflosse hält den Hai gerade im Wasser.

Brustflossen sind für die Steuerung da. Will ein Hai nach links oder recht drückt er die eine oder andere Brustflosse nach unten, um in die Richtung zu schwimmen wo er hin will.

Der schnellste Hai ist der Makohai, er kann bis zu 70 Kilometer in der Stunde schnell werden. Das heisst, dass er von Zürich bis nach Basel nur eine Stunde braucht. Wenn du das nächste Mal mit deinen Eltern Auto fährst, frag sie, wann sie 70 Kilometer pro Stunde fahren, dann kannst du dir vorstellen, wie schnell so ein Makohai schwimmen kann.

 

Haut, “Rau“ wie Sandpapier
Wie bei allen Tieren, wird auch der Hai von einer schützenden Haut bedeckt. Die Haut der Haie besteht aus winzigen Zähnen (Dentikeln), die ganz eng aneinander liegen.

Diese Haut schützt den Hai, zum Beispiel auch vor einem Biss durch einen anderen Hai.

Das Tollste an diesen Zähnchen ist, dass sie sogar leuchten können. Du weisst bestimmt, dass das Wasser an der Oberfläche viel heller ist als am Meeresboden.

Die Sonnenstrahlen können die Wasseroberfläche beleuchten, den tiefen Meeresboden aber nicht. Wenn der Hai jagt, ist es wichtig, dass ihn die anderen Tiere nicht sehen, genau wie bei einem Versteckspiel. Aber wenn der Hai an der hellen Oberfläche ist, könnte man ihn entdecken, deshalb leuchtet seine Haut um so hell zu sein wie die Oberfläche.

 

Kiemen statt Lungen
Haie haben Kiemen, so wie Fische. Mit den Kiemen

können sie die Luft aus dem Wasser filtrieren.

Durch das Maul fliesst Wasser hinein und der Hai kann die Luft dem Wasser entnehmen. Durch die Kiemen strömt das Wasser ohne Luft wieder hinaus, so kann der Hai atmen.

 

Die Sinnesorgane der Haie

Scharfe Sinne

Haie haben sehr gute Sinne. Sie besitzen die gleichen Sinne wie wir Menschen: Sehen, Hören, Riechen, Tasten, Schmecken. Sie merken wenn es kälter oder wärmer wird und sie haben ein Gefühl für die Zeit. Einige Sinne der Haie funktionieren ein bisschen anders als bei uns.

Der Tastsinn: Haie haben keine Hände um ein Objekt oder ein anderes Tier anzufassen. Deshalb rempeln sie das Objekt oder einen anderen Hai an, um zu erkennen worum es sich handelt. Dieses Anrempeln ist nicht böse gemeint und es ist auch nicht so, dass der Hai nach dem Schupsen beisst. Durch das Anrempeln erkennt der Hai, ob ein Objekt fest oder eherweich ist.

Haie sind sehr druckempfindlich. Dank dem Seitenlinienorganbemerken sie kleinste Druckveränderung im Wasser. Jede Bewegung unter Wasser erzeugt eine Druckwelle, sei es ein Fisch der zappelt oder ein anderer Hai der vorbei schwimmt. Ein Forscher hat vor wenigen Jahren herausgefunden, dass karibische Riffhaie sogar Änderungen des Wetters wahrnehmen können.

 

Der elektrische Sinn:
Alle Lebewesen erzeugen durch ihren Herzschlag oder durch die Bewegung der Muskeln elektrische Signale. Haie haben an der Schnauze kleine, schwarze Löcher, die man Lorenzinische Ampullen nennt. Mit den Lorenzinischen Ampullen erkennen Haie elektrische Signale. So können sie selbst Beutetiere finden, die sich im Sand verstecken. Zusätzlichen können Haie dank dieser Ampullen Temperaturunterschiede wahrnehmen.

 

Der Hörsinn:

Die Gehöröffnungen befinden sich auf der Oberseite des Kopfes, von Aussen sieht man sie kaum. Das Gehör ist der am besten ausgebildete Sinn der Haie, sie können über mehrere Kilometer weit hören. Dank dem speziell angepassten Gehör können Haie genau bestimmen, aus welcher Richtung ein Geräusch kommt.

 

Der Geruchsinn:

Dieser Sinn ist bei Haien ebenfalls sehr gut ausgebildet. Haie können Fischblut über einen Kilometer Entfernung riechen. Du musst aber überhaupt keine Angst haben, Haie erkennen Menschenblut nicht, auch wenn das in manchen Büchern und Filmen immer noch gesagt wird.

 

 Das Sehen:

Das Auge des Hais ist ähnlich aufgebaut wie das des Menschen. So wie wir braune, blaue und grüne Augen haben, findet man auch bei Haien unterschiedliche Augenfarben. Haie können nachts aber besser sehen als wir. Sie haben ihr eigenes Nachtsichtgerät mit dem sie schwaches Licht verstärken können. Dieser Lichtverstärker hat einen komplizierten Namen, man nennt ihn Tapetum luciduum. Bestimmt hast du schon mal gesehen, dass die Augen von Katzen in der Nacht leuchten, denn auch Katzen haben diesen Lichtverstärker.

Um scharf zu sehen, können Haie ihre Linsen vor und zurück schieben. Ausserdem können sie ihre Augen schützen, indem sie eine sogenannte Nickhaut wie ein Augenlid über da Auge schliessen. Diese Nickhaut ist durchsichtig, so dass ein Hai selbst mit geschütztem Auge noch einigermassen gut sehen kann.

Die sechs Sinne der Haie haben unterschiedliche Reichweiten, in denen der Hai sie einsetzen kann, sie reichen vom direkten Kontakt bis zu mehreren Kilometern.

 

Die Paarung bei Haien

Paarung

Hier muss man zwischen Hochseehaien und Riffhaien unterscheiden. Hochseehaie sind meist allen unterwegs und treffen sich nur zur Paarung. Riffhaie leben in kleinen Gruppen oder als Einzelgänger, sie kommen aber auch zur Paarung extra zusammen. Die Paarung ist eine ganz schön bissige Angelegenheit. Die Männchen beissen sich am Weibchen fest.

Die Befruchtung der Haie ist so wie bei Vögeln und Säugetieren, sie findet im Inneren des Körpers statt.

 

Nachwuchs
Manche Haie legen Eier. Der Haiembryo ernährt sich vom Dottersack in der Eihülle. Andere Haiarten bringen ihre Jungen lebend zur Welt. Die Geburt findet an einem geschützten Ort im flachen Wasser statt.

Haie haben sehr wenig Nachwuchs, sie bringen meist nicht mehr als 2-5 Junge zur Welt.

 

Haikinder

Haibabys müssen sich nach der Geburt selbst versorgen. Darum sind sie eine leichte Beute für andere Haie. Haikinder findet man meist in den Mangroven oder in flachem Gewässer wo sie vor grösseren Haien geschützt sind.

Mangroven:

 

 

Erwachsen werden

Junghaie bleiben für eine längere Zeit im flachen Wasser, wo sie ausreichend Nahrung haben und von Feinden geschützt sind.

 

Ihre Beute
Haie ernähren sich hauptsächlich von Fischen und Tintenfischen. Manche Haiarten essen auch Krebse und Seeigel. Der Walhai, Riesenhai und Riesenmaulhai ernähren sich hauptsächlich von Plankton. Hier haben wir Bilder für dich, dass du dir vorstellen kannst was Plankton ist:

 

Haie sind gute Jäger 

Fressen – Zähne

Das Gebiss der Haie nennt man Revolvergebiss. Es besteht aus mehreren Reihen von Zähnen. Wenn ein Zahn hinausfällt rückt ein anderer Zahn nach, so hat der Hai immer ein funktionierendes Gebiss.

Die verschiedenen Haie haben auch unterschiedliche Zähne, je nach dem was sie hauptsächlich fressen. Du kannst dir das gut vorstellen, wenn du an Haustiere denkst: Kaninchen haben ganz andere Zähne als Katzen, weil sie sich von völlig unterschiedlichen Dingen ernähren. Ähnlich ist es bei den Haien. Der Weisse Hai hat dreieckige, gezackte Zähne mit denen er grosse Stücke aus seiner Beute reissen kann, der Walhai hat dafür ca. 3600 ganz kleine Zähne, weil er sich von Plankton und kleinen Fischen ernährt.

 

Es gib 5 Grundtypen von Zähnen:

  • Sägezähne
  • Mahlzähne
  • Schneidezähne
  • Haltezähne
  • Reusen

So beissen Haie
Wenn Haie zubeissen, reissen sie das Maul weit auf. Blitzschnell beisst er dann zu. Dabei schiebt sich sein Oberkiefer weit nach vorn.

Wenn du dir die Bilder unten gut anschaust, siehst du, dass die Kiefergelenke des Haies nicht mit den Knorpeln des Schädels verwachsen sind. Sie werden durch Sehnen an ihrem Platz gehalten, deswegen sind die Kiefer des Haies so beweglich.
Gute Jäger
Alle Haie sind geschickte Jäger. Jede Hai-Art hat ihre unterschiedliches Jagdverhalten.

Einzelgänger die alleine jagen und solche die in Gruppen zusammenarbeiten.

Im Laufe der Zeit haben sie verschiedenen Tricks, Täuschungsmanöver und Varianten entwickelt.

Beispiele:

Der Plätzchenstecher (Zigarrenhai)
Der Zigarrenhai hat, wie im Kapitel „Haut“ erwähnt, Leuchtdrüsen an seiner Unterseite. Von unten betrachtet zeichnet sich ein Gegenstand, auch wenn er ganz weiss gefärbt ist, vor einer sonnenbeleuchteten Meeresoberfläche immer dunkel ab, da er das Sonnenlicht blockiert. Dieser Effekt kann reduziert werden, wenn der Hai an seiner Unterseite selbst leuchtet. Beim Zigarrenhai sind interessanterweise die Leuchtdrüsen so verteilt, dass ein kleines Stück an seiner Unterseite ausgespart ist. Dieses Stück ist so geformt wie ein kleiner Fisch. Beim Betrachten von unten, sieht es also aus, als ob ein kleiner dunkler Fisch schwimmt und dies kann Raubfische dazu veranlassen, auf diesen vermeintlichen kleinen Fisch Jagd zu machen. Bis sie ihren Irrtum bemerken, kann es zur Flucht schon zu spät sein und der Zigarrenhai macht aus dem Jäger einen Gejagten.

Der sogenannte „Blutrausch“ (Weisspitzen-Riffhai)
Weisspitzen-Riffhaie jagen häufig nachts in Gruppen durch Riffe und es geht dabei auf den ersten Blick recht chaotisch zu mit Gedrängel vor beutereichen Felsspalten, Anstossen, Festhalten. Dieses ruppige Durcheinander hat dazu geführt, dass manche dieses Fressverhalten als „Blutrausch“ bezeichnet haben. Dieser Begriff wird dem Verhalten aber nicht gerecht, da die Anwesenheit von Blut im Wasser nicht dazu beiträgt, das scheinbare Durcheinander auszulösen. Ausserdem ist bei genauerem Hinsehen zu erkennen, dass sehr wohl unterschiedliche Rollen der einzelnen Haie eingehalten werden und eine Rangordnung existiert, die zwar nicht immer streng ausgelegt aber doch insgesamt berücksichtigt wird.

Der Drescher (Drescherhai)
Drescherhaie haben eine sehr lange obere Schwanzflosse. Wenn sie einen Fischschwarm umkreisen, treiben sie ihn mit dieser langen Flosse zusammen und schlagen mit dieser Flosse einzelne Tiere, die dadurch bewusstlos oder zumindest benommen werden. Die benommenen Tiere können dann ohne viel Aufwand aus dem Wasser geschnappt werden.